Wie weit reichen Reichweiten?
Es zählt zu den am häufigsten zitierten Dichterworten:
„Warum in die Ferne schweifen? Sieh! Das Gute liegt so nah.!“
Die Frage, ob das so stimmt, stellt sich nicht, da es darum nicht geht. Es geht um Bescheidenheit, Zufriedenheit, das Wahrnehmen des Schönen, das einen umgibt, für das man blind ist, weil man es kennt, weil man es schon 1000mal gesehen hat.

Doch was hat Poesie auf solch einer Webseite zu suchen? Hier geht es ja nicht um Nähe, sondern um das glatte Gegenteil:
Im Internet gibt es kein Länge, Höhe, Breite. Was fern ist, ist nah. Alles ist nur einen Klick entfernt. Und just darum geht’s: Klicks. Kontakte. Seitenaufrufe (Visits). PI (Page Impressions). Traffic. Also doch nicht Reichweite? Ja, ja, das immer so ein Problem mit den Begrifflichkeiten.
Reichweite beschreibt etwas Zweidimensionales. Aber kann das in einem nichtdimensionalen Medium funktionieren? Natürlich nicht, aber (sprachpuristisch gesehen) leider doch.
Ähnlich wie bei „frugal“ braucht es nur genügend XXXXXXXXX, die sich über die Bedeutung des Wortes keine Gedanken machen, es untereinander nutzen und sich verstehen – ZACK hat das Wort auf einmal einen Sinn – und, wie bei „frugal“, manchmal sogar genau das Gegenteil seines Ursprungs.
Nun kann man streiten, ob das Unsinn ist. Fakt ist, der Begriff hat sich durchgesetzt und die Klientel zumindest versteht das (mehr oder weniger) gleiche darunter: „Indikatoren der Bekanntheit“, „Kennzahlen der externen Kenntnisnahme“, „Aufmerksamkeit“, „Erfolg“.
Und wenn es darum geht, werden Menschen erfinderisch. Sie manipulieren das, was sie haben. In der realen Welt nennt man das „Schönheitschirurgie“. Im Marketing und Online hingegen spricht man nicht von Schönheit, virtuellem Bauchfettabsaugen oder Brustvergrößerung 2.0, sondern schlicht von „Optimierung“.
Dafür werden Seiteninhalte so programmiert und gestaltet, dass das gewünschte Userverhalten generiert wird, z. B. dass er oft klicken muss, weshalb es so viele Galerien und Quizze gibt. Substanziell bedeuten die Klicks nichts, aber sie machen sich gut bei der Messung der „Reichweite“. Wer Substanzielles integriert, z. B. einen Infofilm, schadet sich diesbezüglich. Wenn man auf PIs geht.
Deshalb versucht man auch andere Kriterien zu finden, die die „Reichweite“ korrekter wiedergeben. Beispielsweise „Besuche“ aka „visits“. Da gelten Klicks nichts. Ähnlich wenn Sie wer besucht. Er ist da, ganz gleich wie oft er oder in welchem Zimmer war. Sie interessiert nur, Haustür auf, da, Haustür zu, weg. Voilà: visits.
Klingt fair? Ist es. Ist es aussagekräftig? Nö. Ihren Freund/Ihre Freundin besuchen Sie öfter als Ihren Hausarzt (zumindest wünschen wir Ihnen, dass dem so ist), und den wiederum öfter als die Polizeiwache in Ihrer Nachbarschaft. (dto.)
Wenn jetzt aber bei der Polizei frische Brötchen für lau gäbe, was dann? Wäre sie dann populärer? Nein, sie würde nur häufiger besucht, sie hat mehr Traffic.
Um also eine aussagekräftige Zahl zu bekommen, die wirklich etwas über die „Reichweite“, also den „Erfolg“ einer Website sagt, wird, und jetzt wird es wirklich lustig, die Zahl der wirklichen Besucher einmal im Quartal von der AGOF (Arbeitsgemeinschaft Online Forschung) geschätzt.
Damit führt sich das Medium, das sich selbst zurecht rühmt, alles messen zu können, selbst ad absurdum, denn es beweist, dass alle Zahlen, die es produziert, keine wirkliche Aussagekraft haben.
Dennoch will man ja wissen, ob man erfolgreich ist. Man will seine „Reichweite“ kennen. Gerade wer Werbung und Online-Werbung verkauft, will ja seinen potenziellen Kunden etwas präsentieren, was sie glauben lässt, dass hier sie ihr Geld hier nicht ausgegeben, sondern investieren.
Und dass das aktuell Beste, Aussagekräftigste oder Vertrauenswürdigste eine Schätzung ist, entbehrt einer gewissen Komik nicht.
Vielleicht ist es ganz einfach on- wie offline: Die einen kommen, bleiben, probieren, legen zurück, gehen. Die anderen kaufen.
Statistik sagt nie etwas aus. Es sind nur relative Zahlen. Aber es geht bei der Reichweitenmessung um Erfolg – und was bitte schön ist „relativer Erfolg“. Doch nichts weiter als ein politisch-korrekter Euphemismus für „Enttäuschung“, „Frust“ o. Ä.?
Absolute Zahlen zählen. Und die findet man ja wohl auch online nicht. Also bleibt es bei dem bisher zuverlässigsten Indikator für ökonomischen Erfolg: dem Kontoauszug – und den wiederum gibt’s zum Glück ja auch online. Ganz nah. Nur ein Klick entfernt … und wir wünschen, dass er sie auch dann noch erfreut, wenn Sie ihn schon 1000mal gesehen haben.
„Warum in die Ferne schweifen? Sieh! Das Gute liegt so nah.!“
Die Frage, ob das so stimmt, stellt sich nicht, da es darum nicht geht. Es geht um Bescheidenheit, Zufriedenheit, das Wahrnehmen des Schönen, das einen umgibt, für das man blind ist, weil man es kennt, weil man es schon 1000mal gesehen hat.

Doch was hat Poesie auf solch einer Webseite zu suchen? Hier geht es ja nicht um Nähe, sondern um das glatte Gegenteil:
Reichweite
Aber schließt sich das in einem Medium ohne Dimensionen nicht aus?Im Internet gibt es kein Länge, Höhe, Breite. Was fern ist, ist nah. Alles ist nur einen Klick entfernt. Und just darum geht’s: Klicks. Kontakte. Seitenaufrufe (Visits). PI (Page Impressions). Traffic. Also doch nicht Reichweite? Ja, ja, das immer so ein Problem mit den Begrifflichkeiten.
Reichweite beschreibt etwas Zweidimensionales. Aber kann das in einem nichtdimensionalen Medium funktionieren? Natürlich nicht, aber (sprachpuristisch gesehen) leider doch.
Ähnlich wie bei „frugal“ braucht es nur genügend XXXXXXXXX, die sich über die Bedeutung des Wortes keine Gedanken machen, es untereinander nutzen und sich verstehen – ZACK hat das Wort auf einmal einen Sinn – und, wie bei „frugal“, manchmal sogar genau das Gegenteil seines Ursprungs.
Nun kann man streiten, ob das Unsinn ist. Fakt ist, der Begriff hat sich durchgesetzt und die Klientel zumindest versteht das (mehr oder weniger) gleiche darunter: „Indikatoren der Bekanntheit“, „Kennzahlen der externen Kenntnisnahme“, „Aufmerksamkeit“, „Erfolg“.
Und wenn es darum geht, werden Menschen erfinderisch. Sie manipulieren das, was sie haben. In der realen Welt nennt man das „Schönheitschirurgie“. Im Marketing und Online hingegen spricht man nicht von Schönheit, virtuellem Bauchfettabsaugen oder Brustvergrößerung 2.0, sondern schlicht von „Optimierung“.
Dafür werden Seiteninhalte so programmiert und gestaltet, dass das gewünschte Userverhalten generiert wird, z. B. dass er oft klicken muss, weshalb es so viele Galerien und Quizze gibt. Substanziell bedeuten die Klicks nichts, aber sie machen sich gut bei der Messung der „Reichweite“. Wer Substanzielles integriert, z. B. einen Infofilm, schadet sich diesbezüglich. Wenn man auf PIs geht.
Deshalb versucht man auch andere Kriterien zu finden, die die „Reichweite“ korrekter wiedergeben. Beispielsweise „Besuche“ aka „visits“. Da gelten Klicks nichts. Ähnlich wenn Sie wer besucht. Er ist da, ganz gleich wie oft er oder in welchem Zimmer war. Sie interessiert nur, Haustür auf, da, Haustür zu, weg. Voilà: visits.
Klingt fair? Ist es. Ist es aussagekräftig? Nö. Ihren Freund/Ihre Freundin besuchen Sie öfter als Ihren Hausarzt (zumindest wünschen wir Ihnen, dass dem so ist), und den wiederum öfter als die Polizeiwache in Ihrer Nachbarschaft. (dto.)
Wenn jetzt aber bei der Polizei frische Brötchen für lau gäbe, was dann? Wäre sie dann populärer? Nein, sie würde nur häufiger besucht, sie hat mehr Traffic.
Um also eine aussagekräftige Zahl zu bekommen, die wirklich etwas über die „Reichweite“, also den „Erfolg“ einer Website sagt, wird, und jetzt wird es wirklich lustig, die Zahl der wirklichen Besucher einmal im Quartal von der AGOF (Arbeitsgemeinschaft Online Forschung) geschätzt.
Damit führt sich das Medium, das sich selbst zurecht rühmt, alles messen zu können, selbst ad absurdum, denn es beweist, dass alle Zahlen, die es produziert, keine wirkliche Aussagekraft haben.
Dennoch will man ja wissen, ob man erfolgreich ist. Man will seine „Reichweite“ kennen. Gerade wer Werbung und Online-Werbung verkauft, will ja seinen potenziellen Kunden etwas präsentieren, was sie glauben lässt, dass hier sie ihr Geld hier nicht ausgegeben, sondern investieren.
Und dass das aktuell Beste, Aussagekräftigste oder Vertrauenswürdigste eine Schätzung ist, entbehrt einer gewissen Komik nicht.
Vielleicht ist es ganz einfach on- wie offline: Die einen kommen, bleiben, probieren, legen zurück, gehen. Die anderen kaufen.
Statistik sagt nie etwas aus. Es sind nur relative Zahlen. Aber es geht bei der Reichweitenmessung um Erfolg – und was bitte schön ist „relativer Erfolg“. Doch nichts weiter als ein politisch-korrekter Euphemismus für „Enttäuschung“, „Frust“ o. Ä.?
Absolute Zahlen zählen. Und die findet man ja wohl auch online nicht. Also bleibt es bei dem bisher zuverlässigsten Indikator für ökonomischen Erfolg: dem Kontoauszug – und den wiederum gibt’s zum Glück ja auch online. Ganz nah. Nur ein Klick entfernt … und wir wünschen, dass er sie auch dann noch erfreut, wenn Sie ihn schon 1000mal gesehen haben.
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